GEMEINSAM FAHREN!

Stressfrei und preiswert

Ingo lebt mit seiner Familie in einem Neubaugebiet in Senden. Er ist Versicherungskaufmann, täglich muss er zwischen Senden und Münster pendeln. Eine Zeit lang hat er sich dafür mit dem Auto durch den Berufsverkehr gequält. Doch den Stress war er leid. Er hat sich ein Monatsticket für den Schnellbus gekauft. Der bringt ihn bequem zum Hauptbahnhof und damit in Laufweite zu seinem Arbeitsplatz. Unterwegs kann er die Zeitung lesen, sich auf Termine vorbereiten oder einfach mal dösen.

Und Ingo spart Geld, und zwar richtig. Fährt er an 20 Arbeitstagen im Monat mit dem Pkw von Münster nach Senden und zurück (rund 40 km), zahlt er im Monat rund 240 Euro (bei angenommenen 30 Cent pro Kilometer, Abnutzung und Rücklagen für den Neukauf mitgerechnet). Ingos Monatsticket kostet dagegen mit rund 120 Euro nur die Hälfte – und zum Münster-Ausflug am Wochenende können Frau und Kinder auf dem Ticket umsonst mitfahren.

Reger Grenzverkehr

Die Zahlen beeindrucken und sprechen für das vitale Oberzentrum des Münsterlandes: Münsters Stadtgrenze überqueren montags bis freitags täglich rund 300 000 Autos, 15 000 Personen im Bus und nochmal 63 000 im Zug. Wobei die Grenzüberschreitung in beide Richtungen funktioniert – schließlich machen sich auch viele Münsteranerinnen und Münsteraner ins Umland auf, sei es zur Arbeit oder zum Freizeitvergnügen.

Acht Bahnstrecken und 18 Regionalbuslinien, davon sieben Schnellbuslinien verbinden Münster mit dem Umland. Und angesichts der 300 000 Autos ist nicht nur die Stadt Münster dankbar für jeden, der sich bei einer Fahrt für Bus, Zug oder Fahrgemeinschaft entscheidet. Das macht die Straßen leerer, den Verkehr flüssiger – übrigens auch für die Busse, schont damit Nerven und Umwelt und spart Parkflächen.

Gemeinsam zur Arbeit

Montagmorgen, 7 Uhr. Rike ist gerade auf dem Mitfahrer-Parkplatz Wilkinghege an der Steinfurter Straße angekommen und wartet vor ihrem Wagen auf Günther aus Gievenbeck und Aishe aus dem Kreuzviertel. Die drei arbeiten im selben Unternehmen in Steinfurt und fahren die Strecke seit einem Jahr gemeinsam.

Die Idee zur Fahrgemeinschaft kam von den Kolleginnen. Rike und Aishe hatten sich beim Betriebssport kennengelernt. Beim Klagelied über die Staus auf der B 54 entstand der Plan, nur noch mit einem Auto zu fahren. Das erspart ihnen zwar nicht den Stau, aber Geld. Nachdem es drei Monate gut geklappt hatte, wollten sie sich mit halbierten Fahrtkosten nicht mehr zufrieden geben.

Mit einer Suchmeldung am Schwarzen Brett fanden die beiden Frauen Günther. Auch er fuhr bislang aus Kinderhaus allein Richtung Steinfurt, weil die Fahrpläne von Bus und Bahn nicht zu den Arbeitszeiten passten.

Nun stehen die drei zwar immer noch hin und wieder im Stau, aber die Zeit geht schneller rum. Für Günther, der noch die Nachrichten auf dem Tablet lesen kann, und für die Kolleginnen, die die neuesten Trainingstipps austauschen.

Klug kombiniert

Die rund 50 Stellplätze auf dem Mitfahrer-Parkplatz Wilkinghege sind fast jeden Morgen komplett belegt.

Wer den beliebten Pendlertreffpunkt nutzt, spart nicht nur Geld. Jedes Auto weniger auf der Straße führt auch zu einem geringeren CO2-Ausstoß und ist somit ein Beitrag zum Klimaschutz. Nur konsequent also, dass parallel zur Eröffnung des Autobahnanschlusses Hiltrup-Amelsbüren 2014 auch ein Mitfahrer-­Parkplatz am Kappenberger Damm eingerichtet und zur Nutzung freigegeben wurde. Er bietet 60 Stellplätze für Fahrgemeinschaften, die über die A 1 und die A 43 das Umland oder auch das Ruhrgebiet erreichen wollen.

Und auch sonst lohnt sich der suchende Blick nach Parkflächen an Bahnhöfen, Bushaltestellen und Autobahnauffahrten: Park-and-Ride-Parkplätze machen vielerorts im Münsterland den sparsamen Umstieg vom eigenen Auto auf Bahn, Bus oder Fahrgemeinschaftswagen möglich. Übrigens nicht nur für Berufspendler – auch beim Einkaufsbummel oder Kulturgenuss wird Sprit gespart, und es entfällt die lästige Suche nach freien Parkplätzen. Wer nicht gerade fußläufig entfernt zur nächsten Haltestelle wohnt, kann sie natürlich auch auf zwei Rädern erreichen. Gerade an stark frequentierten Schnittstellen, so beispielsweise an Bahnhöfen, gibt es auch Bike-and-Ride-Anlagen. Auch diese werden nach und nach verbessert, aktuell zum Beispiel mit komfortablen Leezenboxen.

JOBTICKET

Wer mit dem Bus zur Arbeit pendelt – ob in, nach oder von Münster – kann im Vergleich zum Monats­ticket nochmal mindestens 30 Prozent sparen, wenn es im Betrieb genug Nachahmer gibt. Ordern mindestens 30 Beschäftigte eines Unternehmens für ein Jahr das Bus-Abo, gibt‘s das Jobticket. Bestellen muss es der Arbeitgeber. Fragen Sie doch mal nach beim Chef, in der Personal­abteilung oder beim Betriebsrat.

ZAHLENSPIELE

Untersuchungen zeigen: Wird zum Pendeln nach Münster ein Auto genutzt, sitzen im Schnitt 1,2 Personen darin. Zum Vergleich: In einen Schnellbus passen 80 Personen. Entscheiden sich also beispielsweise morgens im Berufsverkehr 80 Leute für den Schnellbus und gegen das Auto, sind 66 Wagen weniger auf der Straße, brauchen keinen Parkplatz in Münster. 

FIT FÜR DIE UMWELTZONE

Alle rund 180 Busse im Stadtbusverkehr haben die grüne Umweltplakette – bei Bussen keine Selbstverständlichkeit. Münster setzt zugunsten der Umwelt auf moderne Fahrzeugtechnik.