Mit zwei Rädern!

Montagmorgen, 7.57 Uhr: noch 18 Minuten bis Vorlesungs­beginn. Stefan rennt die Treppe hinunter, schließt sein Fahrrad auf, das am Haus lehnt. Er wohnt in der Schillerstraße, mitten im Hansaviertel. Der 22-Jährige schwingt sich auf sein Rad, fährt durch den Bahnhofstunnel, passiert den Ludgerikreisel und erreicht nach fünf Minuten die Promenade. Auf dem Fahrrad-Ring rauscht Stefan im Bogen halb um den südwestlichen Teil der Stadt. Er nutzt die Schleichwege hinter dem Schlossgarten, fährt bis zum Coesfelder Kreuz und erreicht – ein paar Minuten, bevor seine Professorin mit der Vorlesung startet – den Seminarraum an der Fliednerstraße. Sein Weg ist 4,3 Kilometer lang. Mit dem Auto hätte er für diese Strecke zur Hauptverkehrszeit deutlich länger benötigt.

Fahrradstadt Münster

Fahrradfahren in Münster spart Zeit, ist preiswert und komfortabel. Einer der banalsten Gründe dafür: Münster ist sehr flach. So ist man zügig mit wenig Anstrengung unterwegs. Das schaffen auch Ältere und Kinder spielend. Sehr viele Kinder in Münster lernen das Radeln hier schon mit drei, vier Jahren – im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in Deutschland. In Münster und im Münsterland ist Radfahren quasi so wichtig wie das kleine Einmaleins.

Ein weiterer Grund: Münster hat eine gute Fahrrad-Infrastruktur. 470 Kilometer Radwege führen komfortabel in sämtliche Stadtteile und auch ins umliegende Münsterland. Wer radelt, kann sich zudem auf eigene Ampelschaltungen verlassen, steht an großen Kreuzungen in sicheren Schleusen, darf in der eigentlich falschen Richtung die meisten Einbahnstraßen nutzen und genießt in Fahrradstraßen Vorrang.

STARK AUF DER MITTELSTRECKE

Münster ist flächenmäßig die sechst­größte Stadt Deutschlands. Wer in den Außenstadtteilen lebt, muss sich auf Wege von acht bis zehn Kilometern einstellen, wenn er in die Innenstadt möchte. Rund 20 Prozent dieser „Mittelstrecken-Wege“ legen die Münsteranerinnen und Münsteraner mit dem Fahrrad zurück. Auch das ist ein Spitzenwert in Deutschland.

Ideen willkommen!

Sie haben eine Idee, wie und wo es für Radelnde in Münster noch besser gehen könnte?

Lassen Sie es uns wissen: Stadt Münster – Radverkehrsplanung

Phillip Oeinck

Tel. 02 51/4 92 61 62

OeinckP@stadt-muenster.de

TREUE KUNDEN

Studien zeigen: Auch wenn Radler weniger Kilos aus dem Geschäft tragen, kommen sie häufiger wieder als Kunden mit Kofferraum. Zwar geben sie beim einzelnen Einkauf weniger Geld aus, bringen aber langfristig mehr Umsatz als die motorisierte Kundschaft.
(Deutsches Institut für Urbanistik)

20_min100Die meisten Menschen in Deutschlands Fahrradhauptstadt wissen, schätzen und nutzen das:

Auf rund 300 000 Münsteraner kommen über 500 000 Fahrräder. Auch wenn es vielleicht nicht mehr Räder braucht – noch mehr gefahrene Kilometer dürfen es gern werden.

Lange Wege mit dem Pedelec

Die Designerin Michaela wohnt in Albachten und arbeitet im Kreuzviertel. Bis vor einem Jahr ist sie die Strecke oft mit dem Auto gefahren. Bis ihr Freund seinen Job wechselte. Seitdem braucht er den Wagen täglich – und ein zweiter Pkw ist zu teuer. Michaela hat lange überlegt, wie sie nun schnell und einigermaßen bequem zur Arbeit kommt. Ihre Alternative ist das Pedelec. An der frischen Luft und mit Beinkraft, aber unterstützt von einem Elektromotor rollt sie am Aasee entlang, immer geradeaus. Sie biegt auf die Promenade ein und fährt schließlich durch die Lazarettstraße ins Viertel. Ihr Pedelec parkt sie nach knapp 25 Minuten vor der Werbeagentur.

Ihr Weg: 10,5 Kilometer. Mit dem Auto oder der Bahn hätte sie ebenso lange gebraucht, aber aufs Jahr gerechnet deutlich mehr Geld ausgegeben, als das Pedelec gekostet hat. Außerdem tut sie etwas für ihre Fitness und hat im Kreuzviertel keine Parkplatzprobleme mehr. Und wenn es stürmt oder schneit, nimmt sie den Bus.

Mehrwert für Gesundheit und Klima

Radfahren hält gesund. Es stärkt das Herz-Kreislauf-System und verbessert die Atmung, inklusive einer erhöhten Sauerstoffaufnahme. Das Immunsystem wird durch die Bewegung an der frischen Luft ebenfalls gestärkt. Und auch für das Klima tun die Radfahrerinnen und Radfahrer etwas, weil sie mit ihrer Leeze CO2-neutral unterwegs sind.

Ein Ausblick

40 Prozent aller Wege legen die Menschen in Münster derzeit per Leeze zurück. Und es dürfen noch mehr werden: 50 % sind das ehrgeizige Ziel von Verwaltung und Politik. Zur Motivation wird vor allem an Sicherheit und Komfort gearbeitet. Die Radwege werden optimiert, zum Beispiel mit rollfreundlichen Oberflächen, komfortablen Breiten, verlässlichem Winterdienst und Sanierungsmaßnahmen.

Noch mehr Ampelkreuzungen erhalten „Tote-Winkel-Spiegel“ und rote „Furtmarkierungen“, die klarer darauf hinweisen, wo die Radler fahren. Neue Parkmöglichkeiten an Bushaltestellen, in der Innenstadt und in innenstadtnahen Wohngebieten sowie an Dienstleistungs- und Arbeitsplatzschwerpunkten sollen das Radfahren attraktiver machen.

Hinzu kommen weitere öffentliche Elektro-Luftpumpen im Stadtgebiet. Auch bei dem schon gut ausgebauten Radwege­netz besteht noch Verbesserungsbedarf: Die Stadt will Mängel zügig beseitigen und letzte Lücken im Netz schließen – beispielsweise auf der Grevener Straße zwischen Ring und Steinfurter Straße. An die leicht motorisierten und immer beliebteren Pedelecs und E-Bikes ist ebenfalls gedacht: Bestehende Strecken sollen zu attraktiven durchgehenden Velorouten zwischen Münster und den Umlandgemeinden ausgebaut werden.

EINFACH MAL TRAUEN 

Als Kind den „Aufstieg“ verpasst oder zuletzt als Teenager im Sattel gesessen? Das ist kein Grund, auf das Rad zu verzichten. Viele Fahrradclubs in Münster und im Münsterland bieten Kurse für Anfänger und Wiedereinsteiger an.

MIT BATTERIEBETRIEB

Bei Fahrrädern mit Batterieantrieb unterscheidet man

– Pedelecs, die bis zu 24 km/h schnell sind, und

– E-Bikes, die bis zu 40 km/h fahren.

Letztere dürfen nur auf der Straße mit Mofaführerschein und Kennzeichen genutzt werden.

TAUSENDSASSA LEEZE

lHunde- und Kindertransporter, Einkaufs- und Lastenrad, Teutokletterer und Rollstuhlfahrrad: Münsters Fahrradfachgeschäfte haben für jedes Bedürfnis das richtige Gefährt. Auch der ADFC Münster berät gern zur richtigen Leeze und zu hilfreichem Zubehör.